Wie Sie agiler in Marketing und Kommunikation werden? Stellen Sie Sportler ein!

Neulich traf ich mich mit einem ehemaligen Mitspieler und seiner Frau zum Abendessen. Er heute Chefstratege eines renommierten Industrieunternehmens, sie anerkannte Kommunikationsexpertin. Nach einem ausgiebigen Austausch über Vergangenes und Aktuelles sprachen wir über „Buzzwords“ und wie Unternehmen damit umgehen. Im Mittelpunkt stand der Begriff „agil“. Beispiele wurden ausgetauscht, unter anderem jenes eines befreundeten Beraters, dessen Projekt zur Einführung agiler Prozesse nach wenigen Monaten zum Erliegen kam: Führungskräfte des Kunden blockierten notwendige Schritte, weil diese nicht mit ihren persönlichen Jahreszielen harmonierten.

Wenngleich es sicherlich gelungene Beispiele im aktuellen „Agilitätswahn“ gibt, zogen wir ein eindeutiges Fazit: Um agiler zu werden, sollten Unternehmen mehr Sportler einstellen. Insbesondere für den Bereich Marketing und Kommunikation ist dies vorteilhaft:

1) Sie fördern Experimentierfreude

Aktuell stellen Marketingabteilungen eine Neuausrichtung im Kundendialog sicher. Sie gestalten den Wandel von einer Product Centricity hin zur Customer Centricity. Und sie setzen verstärkt Inbound-Marketing-Maßnahmen ein, um mit starken Inhalten von Kunden gefunden zu werden. Die Spielwiese des digitalen Marketings ist groß. Die Ziele sind schnell definiert, doch der Weg zur besten Lösung ist selten vordefiniert und voller Hindernisse im technologischen Dickicht. Es ist wie im Sport: man will gewinnen, doch trotz bester Vorbereitung sucht man für den Torerfolg die Lücke in der gegnerischen Abwehr. Die Lösung liegt im Experimentieren: Beispielsweise durch das Herausnehmen des Torwarts zugunsten eines weiteren Feldspielers, wie wir dies aktuell im Handball oder Feldhockey sehen. Sichern Sie sich diese Experimentierfreude von Sportlern, um die Erfolgsaussichten im digitalen Marketing zu erhöhen: Sie gewinnen Offenheit für Neues und Überraschendes, Akzeptanz für die Notwendigkeit unzähliger Testläufe sowie die Bereitschaft Risiken einzugehen, sich stetig zu optimieren und bei Nichtgelingen nach neuen Lösungswegen zu suchen.

2) Sie sichern sich einen starken Zusammenhalt

Erfolgreiche Unternehmen agieren zunehmend branchen- und länderspezifisch. Die Zahl der Zielgruppen steigt. Um deren Bedürfnisse individuell zu befriedigen brauchen Vertrieb, Service und Fachabteilungen notwendigerweise Unterstützung. Entsprechend steigen Aufgabenvielfalt und Arbeitsvolumen für Marketing- und Kommunikationsteams – in der Regel unter Beibehaltung der Teamgröße. Auch erfolgreiche Sportmannschaften müssen steigende Erwartungshaltungen managen, beispielsweise von Vereinsmanagement, Fans oder den Medien. Sie meistern dies bei gleichbleibender Teamgröße am besten, je stärker der Zusammenhalt im Team ist. Dieser wächst, je besser miteinander kommuniziert wird, je besser einer den anderen unterstützt und je weniger eigenfokussiert agiert wird. Nutzen Sie diese Charaktereigenschaften zur Stärkung Ihres Team-Zusammenhalts, um als starkes Marketing- und Kommunikationsteam Effizienzpotenziale auszuschöpfen und  Herausforderungen zu meistern. Sie sichern sich ein Miteinander statt Gegeneinander, eine Wissensweitergabe statt Besitzstandswahrung, Lösungsorientierung statt Problemdiskussion sowie Initiative statt Agieren nach Vorgaben.

3) Sie gewinnen proaktive Taktgeber

Strategische Neuausrichtungen, M&A-Projekte sowie Veränderungsprojekte sind komplex. Der Kommunikationsabteilung kommt eine hohe Verantwortung zu: Unermüdlich müssen in der internen Kommunikation Verständnis- und Akzeptanzbarrieren über Standorte und Hierarchien hinweg überwunden werden. Die Inhalte sind vielfältig, die Zahl der Informationskanäle groß. Die kommunikativen Gestaltungsräume steigen und müssen genutzt werden, ein eindimensionales „Top-Down-Agieren“ eines Verantwortlichen ist nicht mehr zeitgemäß. Eine integrierende und moderierende Herangehensweise forcierte jüngst Bundestrainer Prokop bei der Handball-Weltmeisterschaft als er seine Spieler in einer Auszeit mit der Frage „Was wollt ihr spielen“ in die Entscheidung über die weitere Taktik einband. Auch Kommunikationsabteilungen profitieren in Großprojekten von mehreren Taktgebern im Team. Taktgeber, die proaktiv agieren und so einen langen und dynamischen Prozess eigenständig strukturieren. Taktgeber, die bereit sind, neue Wege zu gehen, um die zentralen Botschaften über unterschiedlichste Kommunikationskanäle verständlich und einprägsam zu vermitteln. Taktgeber, die in der Lage sind, Vorstand sowie Führungskräfte weiterer Managementebenen einzubinden und deren Einsatz zu moderieren.

4) Sie verankern eine empathische Fehler- und Lernkultur

Die Fehlerwahrscheinlichkeit steigt, wenn etwas Neues implementiert werden muss, wenn es komplexer und schwieriger wird oder wenn Entscheidungen schnell getroffen werden müssen. Dies gilt im Beruf und im Sport zugleich. Umso wichtiger ist eine ausgeprägte Fehlerkultur, um zu lernen und sich zu verbessern. Auch hier hilft der Blick in den Sport. Ob unter vier Augen zwischen Trainer und Spieler oder im Team: Woche für Woche findet nicht nur ein empathisches Zuhören statt, das allen Beteiligten hilft, Verständnis über das Zustandekommen des Fehlers zu gewinnen, sondern auch ein gemeinsames Interagieren: Wer kann was wie tun und wer kann wem wie helfen, um es künftig besser zu machen? Nutzen Sie diese Philosophie: Sie implementieren automatisch eine empathische Fehler- und Lernkultur, die ihre Erfolgsgrundlagen in unvoreingenommenen Analysen, ehrlichen und vertraulichen Gesprächen sowie der gemeinsamen Erarbeitung von Lösungswegen und Unterstützungsmöglichkeiten hat.

5) Fazit: Werden Sie agiler. Stellen Sie Sportler ein.

In einem Interview zum Thema Agilität bestätigte der Leadership-Experte Wolfgang Jenewein kürzlich, dass Führungskräften die Umstellung auf eine notwendige neue Haltung im Team-Alltag schwerfalle. Dazu gehöre unter anderem die Veränderung von einem „Command & Controll zum Experimentieren“, die Verankerung eines „involvierenden, koordinierenden demütigen Miteinander“, das Erfordernis zu „inspirieren, strukturieren und moderieren“ sowie ein „empathisches Zuhören“, das vor allem zu Verständnis und Hilfsbereitschaft führe.

Sportmannschaften beherrschen diese Agilitätsanforderungen. Dementsprechend sind Sportler experimentierfreudig, stärken den Zusammenhalt, agieren als proaktive Taktgeber und sichern eine empathische Fehler- und Lernkultur. Setzen Sie Ihr Geld insbesondere im Bereich Marketing und der Unternehmenskommunikation nachhaltig profitabel ein: Stellen Sie Sportler ein – und werden Sie agiler.